Bauernhof statt Altenheim: Alt werden mit Hühnern, Hofkatze und Pflege rund um die Uhr
Auf dem Pflegebauernhof leben ältere Menschen in kleinen Wohngemeinschaften – mit Tieren, Garten und Pflege rund um die Uhr. Jetzt gibt es das auch in Bayern: den Moorhof in Karlshuld.

Ein Tipp von Omama Lilly: Diesen Beitrag hat uns Lilly geschickt – sie hat das Video auf YouTube entdeckt und fand: Das müssen alle wissen!
Morgens kräht der Hahn, nach dem Frühstück geht es kurz zu den Hühnern, und am Nachmittag sitzt man mit den Mitbewohnern auf der Bank vor dem Stall. Wer Hilfe braucht, bekommt sie, auch nachts.
Was nach Urlaub auf dem Land klingt, ist für immer mehr ältere Menschen ein echtes Zuhause: die Senioren-Wohngemeinschaft auf dem Bauernhof, auch Pflegebauernhof genannt. Und jetzt gibt es so etwas auch in Bayern.
Was ist ein Pflegebauernhof?
Ein Pflegebauernhof ist kein Heim mit ein paar Tieren drumherum. Es ist ein echter Bauernhof, auf dem ältere Menschen in kleinen Wohngemeinschaften leben – meist bis zu zwölf Menschen pro Gruppe.
Jeder hat sein eigenes Zimmer mit eigenen Möbeln. Küche, Wohnzimmer und Garten teilt man sich. Pflegekräfte sind rund um die Uhr da, und wer möchte, packt auf dem Hof mit an: Eier einsammeln, Kräuter zupfen, Kaninchen füttern, Kartoffeln schälen.
Die Idee dahinter kommt aus Skandinavien und heißt dort „Green Care“ (mehr dazu bei der Bayerischen Landesanstalt für Landwirtschaft): Arbeit mit Tieren und Pflanzen tut Körper und Seele gut. Wer eine Aufgabe hat, bleibt länger beweglich – und fühlt sich gebraucht.

Bayerns erster Pflegebauernhof: der Moorhof in Karlshuld
In Karlshuld im oberbayerischen Landkreis Neuburg-Schrobenhausen haben Johann und Nadine Angermeier ihren Hof umgebaut. Aus einem ehemaligen Kuhstall wurden zwei ambulant betreute Wohngemeinschaften mit zusammen 23 Pflegeplätzen (Pressemitteilung des Bayerischen Landesamts für Pflege).
Der Freistaat Bayern hat das Projekt über das Förderprogramm PflegeSoNah mit rund 1,4 Millionen Euro unterstützt. Gesundheits- und Pflegeministerin Judith Gerlach besuchte im September 2024 die Baustelle und nannte den Moorhof ein Leuchtturmprojekt. Wie es sich dort lebt, zeigt der Bericht von BR24. Inzwischen wohnen dort die ersten Seniorinnen und Senioren, im August 2026 hat die zweite Wohngemeinschaft eröffnet.
Besonders schön: Der Moorhof soll ein Treffpunkt für alle Generationen sein. Kinder und Enkel kommen zu Besuch, es gibt schon länger Angebote für Kinder auf dem Hof. Genau das, was wir bei Growdy so mögen – Alt und Jung an einem Ort.
Die Idee ist nicht neu – aber sie wächst
Der Pionier in Deutschland ist Guido Pusch aus Marienrachdorf im Westerwald (Rheinland-Pfalz). Er hat schon 2011 den ersten Pflegebauernhof gegründet. Heute leben dort 22 Seniorinnen und Senioren in drei Wohngemeinschaften – zusammen mit Hühnern, Alpakas, Kühen und Gänsen.
Auch in Bayern tut sich einiges: Auf dem Schulhauser Hof in Iggensbach (Niederbayern) gibt es Tagespflege und eine betreute Wohngemeinschaft, und im Allgäu baut eine Bauernfamilie ihren Milchviehhof zu Seniorenwohnungen um.
Und dann gibt es den Verein „Bauernhof statt Altenheim e. V.“, gegründet 2022. Er möchte Einsamkeit im Alter etwas entgegensetzen – mit einer „selbstgewählten Großfamilie“ in der Natur. Unter seinem Dach entstehen Wohnprojekte an der Ostsee und in der Südpfalz, dazu ein Lernzentrum, damit noch mehr Höfe diesen Weg gehen können.
Für wen ist das etwas?
Ein Pflegebauernhof kann gut passen, wenn du oder deine Eltern …
- nicht mehr allein wohnen möchten oder können,
- Pflege brauchen, aber kein großes Heim wollen,
- gern draußen sind und Tiere mögen,
- früher selbst auf dem Land gelebt haben – oder schon immer davon geträumt haben,
- Gesellschaft suchen statt allein vor dem Fernseher zu sitzen.
Auch Menschen mit beginnender Demenz finden sich auf einem Hof oft gut zurecht: Der Tagesablauf ist klar, die Tiere geben Struktur, und vieles erinnert an früher.
Was kostet das – und wer zahlt?
Die meisten Pflegebauernhöfe sind ambulant betreute Wohngemeinschaften. Das heißt: Du zahlst Miete und Haushaltsgeld wie in einer normalen WG, die Pflege kommt von einem Pflegedienst und wird – je nach Pflegegrad – über die Pflegekasse abgerechnet.
Gut zu wissen: Für Wohngemeinschaften mit mehreren Pflegebedürftigen gibt es von der Pflegekasse zusätzlich einen monatlichen Wohngruppenzuschlag (§ 38a SGB XI).
Die Kosten sind von Hof zu Hof sehr unterschiedlich. Frag deshalb immer direkt nach – und lass dich bei der Pflegeberatung deiner Pflegekasse oder einem Pflegestützpunkt in deiner Nähe beraten. Das ist kostenlos.
Unser Tipp: Erst mal hinfahren
Viele Höfe bieten Besichtigungen, Probewohnen oder Tagespflege an. Fahrt zusammen hin – Eltern und Kinder, Oma und Enkel. Schaut euch die Zimmer an, trinkt einen Kaffee mit den Bewohnern und fragt, wie ein ganz normaler Tag aussieht.
Ihr merkt schnell, ob es passt. Und vielleicht gibt es ja auch in eurer Nähe einen Hof, der gerade über so ein Projekt nachdenkt.
Und du? Könntest du dir vorstellen, auf einem Bauernhof alt zu werden? Oder kennst du so einen Hof? Schreib es uns aufs Growdy-Board!

Zum Anschauen
- BR Fernsehen, Frankenschau: Senioren-WG auf dem Bauernhof
- YouTube: Video zum Thema
Quellen
- BR24: So lebt es sich auf Bayerns erstem Pflegebauernhof
- Bayerisches Landesamt für Pflege: Pressemitteilung zum Pflegebauernhof Moorhof
- Pfaffenhofen Today: Ministerin lobt „deutschlandweites Leuchtturm-Projekt“ in Karlshuld
- Bauernhof statt Altenheim e. V.: bauernhofstattaltenheim.de
- Bayerische Landesanstalt für Landwirtschaft: Senioren auf dem Bauernhof (PDF)
- Angehörige pflegen: Bauernhof statt Altenheim



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